BERND SCHMITT

 

Vorwort zum Meisterschülerkatalog
"Der Mensch und das Meer"

Der Betrachter steht vor den Bildern von Bernd Schmitt wie ein Kind vor dem Weihnachtsbaum: Überwältigt von der ganzen Pracht und Herrlichkeit und der schieren Größe kommt er aus dem Staunen nicht mehr heraus! Virtuos gemalte Farbvisionen von Landschaften, kombiniert mit real existierenden, von der Erde weit entfernten Galaxien und kosmischen Nebeln. Diese Bildvor-stellungen basieren auf Fotografien von Erd- und Weltraum-gestützten Observatorien, die, in den Orbit geschossen, für uns dort unterwegs sind. Ihre "fremden" Augen liefern uns Bilder von sichtbarem Licht und von unsichtbarer Strahlung, die ins sichtbare übersetzt ist. An uns zurückgeschickt, prägen sie unsere Vor- stellung einer weit entfernten Welt, die aber die unsere ist. Die eine Welt, die genauso wie wir dem Werden und Vergehen unterworfen ist. Jeder Blick in diese ferne Welt ist ein Blick in die Vergangenheit, weil das Licht so lange zu uns unterwegs ist. Wir können nicht wissen, wie die Wirklichkeit dort gerade ist. Sie hat     

  sich während der langen Reise des Lichts weiter entwickelt. Ein vergangener Moment wird in unsere menschliche Gegenwart transportiert.

Dies umfasst auch zugleich das eigentliche Interesse von Bernd Schmitt: Seine Bilder sind gemalte Philosophien über die menschliche Existenz und Welterkenntnis. Er greift den Ansatz der Romantik auf und definiert seine eigene zeitgenössische Position der Romantik. Seine Sicht auf die Romantik kulminiert in dem Bild "Der Mensch und das Meer", in dem er Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde zitiert. Es ist die "radikale Aussetzung menschlicher Individualität gegenüber einer extremen Umgebung". (U. Krechel). Seine Bilder nehmen uns mit auf die Reise eines spannenden Diskurses. Dies mit gemalten Bildern im Hier und Heute zu erreichen ist eine grandiose Leistung, für die ich Bernd Schmitt sehr gerne zu meinem Meisterschüler ernenne!

Ute Wöllmann,
Leiterin der Akademie für Malerei Berlin
Berlin, im Mai 2015




Vorwort zum Bildband "HELIX"

Πάντα χωρεῖ καὶ οὐδὲν μένει
(alles fließt und nichts bleibt)
Platon/Heraklit


Meine Bilder erzählen vom Sein im fortwährenden Werden und Vergehen und vom Suchen des Menschen nach seinem Platz - in seiner geschichtlichen Existenz auf der Erde und in seiner Einbindung in die Geschichte des Universums. Der Kosmos scheint in der Bewegung vom Einfachsten zum immer Komplexeren. Auf diesem Weg unterliegen wir dem Gesetz des Werdens und Vergehens genau so wie alles Leben, wie die Erde, der Kosmos. Alles ist in ständiger Bewegung. Kosmische Landschaften erzählen von diesem Werden und Vergehen genau so wie die uns vertrauten irdischen Landschaften, die nur eine Momentaufnahme im "Leben" des Planeten Erde sind.
Mensch und Natur und Welt stehen sich nicht gegenüber, sondern sind in vollkommener Einheit. Das kann sich der Mensch bewusst machen durch "Erinnerung" an etwas, das vor seiner individuellen Erfahrung liegt. Erinnerung in diesem Sinn heißt das sich Bewusstmachen der eigenen Geschichte, der Herkunft in kosmischen und irdischen Bezügen entlang der wissenschaftlichen Erkenntnis und sichtbar, ja erfahrbar gemacht in den Bildern der Malerei. Das ist Welterfahrung über beide Hirnhälften, über Ratio und Emotio, über Bewusstes und Unbewusstes.

  Die Wasserstoffatome, die unseren Körper bilden, sind in der frühesten Phase des Universums entstanden, die schwereren Atome in folgenden Sterngenerationen erbrütet und durch Supernovaausbrüche fusioniert. Nur Geburt und Sterben von Sternen hat uns ermöglicht.
Wir Menschen tragen noch die Baupläne des Lebens seit dessen Entstehung in uns. Baupläne von einer Milliarde Jahre alten Bakterien finden sich noch in unseren Mitochondrien, den Kraftwerken unserer Zellen. Von stammesgeschichtlich 500 Millionen Jahre alten Würmern erfahren wir etwas über den Ursprung unseres zentralen Nervensystem.
Unsere Hirnnerven und Blutgefäße halten sich an die Bauordnung der Kiemenbögen der ältesten Fische. Wir haben den Urfisch noch in unseren Genen.
Energie wird Materie. Die Materie nimmt Form an und verliert diese Form wieder. Wie träges Wasser fließen die Atome durch uns hindurch und gelangen danach wieder in andere Formen, werden Stein, werden Pflanze, werden Wolke. Das ist Physik und Biologie.
Das Bewusstsein davon kann bestimmen, wie wir uns deuten in unserer Existenz, als Durchgangsstation für Materie, die Form gewinnt und wieder verliert. Meine Malerei versucht, diesem Unerklärbaren, Wunderbaren und Widersprüchlichen näher zu kommen im Sichtbarmachen der Einheit der Welt, einer Welt in Bewegung. Wir haben die tiefgründigste Geschichte.

Bernd Schmitt
Juni 2015




Vorwort zum Bildband "WELTENBILDER"

Πάντα χωρεῖ καὶ οὐδὲν μένει
(alles fließt und nichts bleibt)
Platon/Heraklit


Mir meiner Herkunft bewusst zu sein, bestimmt und beeinflusst meine Weltdeutung.
Wir sind aus Sternenstaub - das ist kein Mythos.
Woraus wir bestehen, wurde in 2-3 Generationen von Sternen erbrütet und bedurfte der Explosion riesiger Sonnen. Geburt und Tod, Werden und Vergehen ist auch im Kosmos das Prinzip für Entwicklung und Zukunft. Unsere Erde, unsere umgebende Natur, wir Menschen selbst sind aufs engste verbunden mit dem Weltall. Die Formen, die Strukturen, die Elemente sind die gleichen. Diese Gewissheit lässt mich nicht los.

Erst die Technik gibt uns jetzt die „fremden Augen“, die Welt außerhalb der Erde zu erfassen. Für mich erweitert sich so der Naturbegriff ins beinahe Unendliche. Ich vereine Sternengeburt und Sternentod mit meinem Blick auf blühende Bäume, sommerliche Gräser und Eislandschaften. Reste von Supernovae kreuzen sich mit Blicken auf irdische Landschaften, auf menschengemachte Kultur- und Stadt-landschaften, die sich ihrerseits wandeln und beständig ihre Form ändern. Wo sich jetzt hohe Berge türmen, war früher Meer, der Fels ist oft gebildet aus den Schalen von Lebewesen, die über Jahrmillionen vor uns lebten.

  Es ist diese Einheitserfahrung im Wandel, aber auch die Unsicherheiten und Gefährdungen, das Drohende und Unbehauste, die Dimensionen von Raum und Zeit jenseits menschlicher Vorstellungskraft, die mich fesseln und die ich im Malen spüre.

Wir können nicht wissen, was jetzt ist, richtet sich unser Blick auch nur in unsere sonnennahe Milchstraße. Was wir da jetzt sehen ist von früher und hat sicher bis heute seine Form geändert, ja es existiert möglicher-weise schon nicht mehr. Mich berührt, ja erschüttert diese Einschränkung unserer Erkenntnismöglichkeit. Der Blick in den Kosmos ist unweigerlich ein Blick in die Vergangenheit. So wird die menschliche Wahrnehmung noch einmal anders hinterfragt, nicht von den Bedingungen der menschlichen Psyche, menschlicher Sinnesorgane und Informations-verarbeitung her, sondern von den Bedingungen menschlicher Existenz her.

Ich fühle so etwas wie Ehrfurcht vor der Schönheit und Erhabenheit, aber auch der Bedrohlichkeit großer kosmischer und großer irdischer Landschaften. Doch wo macht sich der Mensch fest? Ist seine Heimat nicht nur die Erde, sondern die gesamte Wirklichkeit?

Das Betrachten der kosmischen Bilder weckt Erinnerung an die Fülle und die Schönheit irdischer Formen, Strukturen und Farben. Der Reichtum unserer irdischen Landschaften findet ihre Entsprechung im Kosmischen - dies will ich zusammenführen.

Bernd Schmitt,
Juli 2013